wir sind unterwegs...


Start Neustrelitz 18.6.2010

am 01.07.2010 um 14:00 betreten wir polnischen Boden



11.7.2010 die ersten 500km liegen hinter uns
wir sind mitten im pommernschen Sommer angekommen
35 Grad im Schatten
aber wo ist Schatten???
auch den Pferden macht die Hitze zu schaffen
und die Easyboots prägen ihre Signatur in den glutheißen Asphalt...



Wir durchqueren ein Gebiet, das wenig touristisch frequentiert wird.
Von Deutschland aus war es schwierig bis unmöglich, für dieses Gebiet brauchbares Kartenmaterial zu bekommen.

Wir reiten durch Dörfer, in denen man das Gefühl bekommt, die Zeit ist hier stehen geblieben. Nein, keine Pferdefuhrwerke, der URSUS und der IBIZA nehmen sich nichts auf dem Knüppeldamm.
Es ist wirklich die Zeit, eine andere Zeit, eine andere Uhr scheint hier zu ticken.
Die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschön.



Wir lernen die unterschiedlichsten Menschen kennen, vom Unternehmer mit eigenem Gestüt bis zu Menschen in einfachen Verhältnissen mit Plumsklo im Garten.
Unterschiede in ihrer Gastlichkeit spüren wir nicht.


Wir erfahren viel über sie und ihr Leben, oftmals nur in Gebärdensprache.
Mit Händen und Füßen spricht Ro über die Veredelung von Obstbäumen (und es klappte tatsächlich!).
Missverständnisse bleiben natürlich auch nicht aus, und dann sind es gerade diese, die, wenn enttarnt, uns vor Lachen Tränen in die Augen treiben.

24.7.2010 nach weiteren 150km erreicht uns ein Temperatursturz, von 35 Grad sinkt die Temperatur binnen Stunden auf 15 Grad.


Sinnflutartige Regenfälle zwingen uns zu einer Rast in einem (wunderschönen!!!) Ferienhaus bei Dziemiany.
"Woher kommt ihr?" dringt durch die Kapuze an mein Ohr. War das Deutsch? ich drehe mich um und rufe zurück: "aus Deutschland..."
Violetta und Kurt "retten" uns an diesen regenreichen Tagen aus dem schlimmsten...


27.8.2010 71 Tage und 1300km sind wir jetzt mit unseren Pferden unterwegs.
Das Wetter ist durchwachsen, so wie unsere Erlebnisse und Erfahrungen in diesem Land,
von dem wir vorher so viele unterschiedliche Geschichten erzählt bekamen.
Wir haben weder Pferdefuhrwerke noch Diebe gefunden...
dafür immer wieder herrliche Landschaften und wunderbare Menschen



Vom Wetter werden wir seit einiger Zeit nicht mehr verwöhnt.
Diente der Regenponcho bisher ausschließlich als Unterlage für unsere Picknicke,
wird er nun täglich mindestens einmal gründlich gewaschen...


Das Quecksilber schrumpft und die Packtaschen leeren sich, weil die Sachen nun schichtweise getragen werden.
Die Gastfreundschaft ist überwältigend.
Wir erleben zwei Extreme, die einen, die uns spontan auf der Straße, manchmal aus dem fahrenden Auto.., ansprechen und sofort in Begeisterung ausbrechen, wenn sie hören, was wir da machen.
Und die anderen, auf die wir zugehen, wenn wir nach etwas Hafer, Wasser oder einen Platz für die Nacht fragen. Zunächst noch skeptisch und verhalten, ist nach einem kurzen Gespräch die "Grenze" durchbrochen und wir finden uns an ihrem Tisch wieder und werden mit allem verwöhnt, was die spontane Küche hergibt.


Die Weigsel hat Hochwasser.
Die Fähren haben ihren Betrieb eingestellt.
Wir stehen mit unseren Pferden vor dem überspülten Anleger und sind erstmal ratlos. 


Autos halten, drehen um und fahren locker die über 100km Umweg nach Norden nach Tszew über die Weigsel-Brücke und auf der anderen
Seite in einem Bogen wieder herunter. Für uns bedeutet das einen riesigen Umweg und eine Woche Verlust im Wettlauf mit dem nicht mehr allzu fernen Winter.
Und die Reitstrecke sieht alles andere als nett aus. Uns erwarten riesige Agrarflächen bis an die Überflutungsgebiete, keine kleinen Feldwege, nur die Asphaltstrecke.
Wir probieren es. In Gniew geben wir auf, nachdem wir immer wieder in Sackgassen und bodenlosen Boden geraten, und entscheiden uns für einen Transport über diese Brücke auf die andere Seite des Flusses.

Wir haben nun auch das Ermland und Masuren durchquert.
Es ist ein seltsames Fleckchen Erde. um Olsztyn herum verspüren wir eine gewisse Melancholie, weiter östlich, in den Wäldern, meist Sumpfwald, wird es geheimnisvoll bis unheimlich. Dann wieder öffnen sich diese Wälder und wir finden eine Landschaft oder einen See vor, an Herrlichkeit kaum zu übertreffen.




Aus reiterlicher Sicht ist es hier komplizierter als bisher.
Viele Wege, wenn sie denn überhaupt noch existieren,enden im Sumpf oder vor Zäunen.
Für den Wanderer kein Hindernis, mit den Pferden sind wir häufig gezwungen umzukehren, nach Alternativen zu suchen und oft müssen wir auf die Straße zurück.

...

Danke, ihr zwei lieben!!!


Sie sind es, die die gesamten bisherigen 1300km auf ihren Beinen zurück gelegt haben.
Wir werden so vertraut, dass ein Blick genügt, um zu wissen, ob sie Hunger oder Durst haben, ob ihnen etwas fehlt oder sie zufrieden sind.
Die beiden sind jetzt routinierte Wanderpferde geworden. Sie vertrauen uns völlig, dass wir jeden Abend eine saftige Wiese für sie finden. Und sie bleiben immer brav hinter dem filligranen Wanderzäunchen, selbst wenn die Ungeheuer nebenan im Gebüsch rascheln und wispern. Ein leiser Pfiff und ein ruhiges "Hohli" holt sie aus ihrem Bann, und sie erinnern sich wieder an das leckere Gras vor ihren Hufen.


Aponi ist die ansprchsvollere der beiden, Amira der ruhende Pohl. Aponi legt auch schon mal einen kleinen Galopp in der ca. 15x20 Meter großen Koppel zurück. Wir haben uns daran gewöhnt und vertrauen darauf, dass sie auch weiterhin vor dem Zaunband
umdreht.
Amira ist relativ unkompliziert, was Futter, Pflege und Sattellage betrifft. Aus Aponi könnte man schon eine wissenschaftliche Arbeit ableiten.
Häufig sind es Pferdeleute, die uns ansprechen. Wenn wir ihnen unsere Geschichte erzählen, beginnen sie, sich unsere Pferde genauer anzuschauen. Und wir freuen uns jedesmal sehr, wenn sie, ausnahmslos alle, sagen, das sich die beiden in einem
super Zustand befinden.

Viel Interesse wird auch den Hufen und Aponis Schuhen gewidmet. Sie, permanent mit Easyboot Glove beschuht, und Amira, nur auf "schlechten" Wegstrecken beschuht, haben beide bisher keinerlei Probleme. Über Beschlag brauchten wir bis hierher nicht nachdenken.


Am 31.7.2010 um 14:00 sehen wir die ersten Grenzpfosten. Willkommen in Litauen.

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30.9.2010 Wir durchqueren die Altstadt von Klaipeda und stehen um exakt 15:00 Uhr vor dem Haus meines Vaters in der Liepu gatve.


Als wir am späteren Nachmittag die Stadt wieder verlassen, stoppt uns auf jener Ausfallstraße ein Auto, eine aufgeregte Frau springt heraus und entpuppt sich als Journalistin der Tageszeitung "Klaipeda diena". Nun gibt es also auch einen schriftlichen Beweis unseres Erfolges!


Die nächsten drei Nächte haben wir starken Frost, das Zelt ist mit einer Eisschicht überzogen, die beim Ausschütteln klirrend davon fliegt, die Wasserflaschen sind gefroren. Wir entscheiden, in nicht allzuferner Zeit das Zelt gegen eine festere Behausung zu tauschen und die Pferde langsam an die Heufütterung zu gewöhnen! Der Winter naht und unsere Baltikum-Reise ist hier zu Ende. Unterwegs hatten wir ein wunderschönes Quartier in der Nähe von Plunge gefunden, zu dem wir nun zurückreiten. 


Ro analysiert und errechnet 1820 gerittene km. Nach so vielen km Leben auf der Strasse tut ein Dach, das höher ist als 1,20m und eine warme, jederzeit auffindbare Dusche dem Geiste durchaus ganz gut...

Wir bekommen die Gelegenheit, uns einen Tag Lettland anzuschauen. Wir fahren bis Riga, einmal ans Meer und zurück und vermuten, dass auch dieses Land ein herrliches Wander-Reit-Land ist! Später ergibt sich für uns nochmals eine ähnliche Gelegenheit, als Kurierfahrer nach Tallinn zu fahren. Und auch in Estland haben wir den selben Eindruck.

Natürlich kommen unsere Litauen-Erlebnisse hier ebenfalls hinein. Jetzt werden wir uns jedoch erst mal überlegen, wie es weiter geht und uns um einen Rücktransport usw. kümmern!


DANKE DANKE DANKE!!! allen, die uns auf unserem Weg, in welcher Weise auch immer, geholfen haben,

bardzo dziękuję!

labai ačiū

vielen Dank!


Für alle, die sich für das Thema Hufschuhe interessieren:

Es war ein schönes Gefühl, ihnen Abends die Schuhe ausziehen zu dürfen und sie Barfuss in ihre Koppel zu entlassen.
Aponi ist die gesamten 1820km beschuht gelaufen. Die Easyboot Glove haben super gut (durch-)gehalten! Verschleiß gab es lediglich da, wo das Material durch schleifen stark beansprucht wurde. Aber auch hier hat es lange gedauert, bis das Material repariert oder ausgetauscht werden musste. 
Hier ein Schnappschuss von Aponis Schuhen nach 1500km.


Schuh-, Huf- und Fellpflege vorausgesetzt, gibt es mit den neuen Gaitern keinerlei Probleme mit Scheuerstellen.
Amira trug ihre Schuhe teils an den Füßen, teils im Gepäck. Die Glove lassen sich zu einem relativ kleinen Packmaß zusammengurten.
Seit 16 Jahren habe ich das Vergnügen, Amira beinahe täglich in der Bewegung zu beobachten und bin sicher, jede kleinste Veränderung wahrnehmen zu können. Als gute Barhufläuferin, bewegt sie sich auf hartem Boden mit den Glove noch mal freier. Den Bewegungsablauf verfolgend, bringe ich das Beobachtete mit einer stoßdämpfenden Wirkung in Verbindung. Und das schont nicht nur die Hufe, sondern auch die Gelenke! Vielleicht ist es die Investition in einen Versuch wert, wenn dein Pferd sich nicht mehr so gerne bewegen mag, und aufgrund der fehlenden Bewegung langfristig weitere gesundheitliche Schäden folgen würden.



Hier gehts zum zweiten Teil unserer Reise